Workshop Games – Teil 1: Stühle rücken

Vor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen für ein paar Kollegen einen Workshop zum Thema Scrum zu halten. Ein Großteil der Workshop-Teilnehmer arbeitet gemeinsam in einem (Scrum-) Projekt. Ergänzt wurde die Runde durch „Gäste“, die einfach Interesse an dem Thema hatten und gerade in der Region unterwegs waren.

Da es sich hier um einen internen Workshop handelte hatte auch ich als Moderator ein wenig „Narrenfreiheit“ und konnte das eine oder andere ausprobieren. Der theoretische Stoff, den es zu vermitteln gab, wurde von mir durch einige Workshop-Spiel ergänzt. In dieser Artikelserie berichte ich über die Spiele und die Erfahrungen, die ich mit den einzelnen Spielen gesammelt habe. In der kommenden Zeit werde ich über die folgenden Spiele berichten:

  • Stühle rücken
    Ein „Willkommensspiel“, um gleich von Beginn an eine gewisse Spannung zu erzeugen
  • „Ich arbeite nur mit Super-Helden“
    Eine etwas andere Vorstellungsrunde
  • Principles in the pocket
    Ein kurzes Spiel zur Verdeutlichung der Prinzipien, die hinter dem Agilen Manifest stecken
  • Coin Sorting
    Spiel zur Verdeutlichung der Rolle des Kunden in Angebotsprozessen
  • Speed Boat Game
    Ein Spiel aus der Reihe der „Innovation Games„; dient zur Identifikation und Priorisierung von Problemen

Ich wünsche Euch viel Spaß mit diesem und den weiteren Artikeln der Serie.

Über Eure Meinung und Ansichten (gerne auch von den Teilnehmern selbst) freue ich mich in den Kommentaren.

Stühle rücken
Ausgangssituation

In vielen Besprechungsräumen sind die Tische und Stühle in einer U-Form angeordnet und aus meiner Sicht nicht geeignet für interaktive Workshops. Ich favorisiere entweder Gruppentische, sofern die Teilnehmer Tische benötigen, oder einen Stuhlkreis ganz ohne Tische. Gerade mit der letzten Variante habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, da dies die Teilnehmer etwas näher zusammen bringt und die Barriere „Tisch“ nicht vorhanden ist.

Leider ist es so, dass in vielen Konferenzräumen diese „besondere“ Sitzordnung extra „bestellt“ werden muss. Statt sich den üblichen Diskussionen über Sinn und Unsinn dieser Sitzordnung zu ergeben, kann man einfach die Teilnehmer in die Umgestaltung des Raumes einbeziehen. Gleichzeitig kann man anhand dieses Spiels den einen oder anderen Aspekt der Projektarbeit verdeutlichen.

Ablauf
  1. Zunächst begrüßt man die Teilnehmer und erklärt kurz das die Sitzordnung für den folgenden Workshop ungeeignet ist.
  2. Darauf hin bittet man die Teilnehmer die Sitzordnung umzugestalten. Wichtig dabei ist, dass man ihnen nicht erläutert wie man sich die Sitzordnung vorstellt.
  3. Nach der Erläuterung des Auftrags verabschiedet man sich und erklärt, dass man in 5 Minuten wieder im Raum ist und dann mit der neuen Sitzordnung starten möchte.
  4. In der Regel – gerade zu Beginn eines Workshops – legen die Teilnehmer voller Eifer los und fangen an den Raum umzugestalten. Und zwar ohne sich nach der genauen Sitzordnung zu erkundigen.
  5. Nachdem man wieder in den Raum kommt ist zunächst einmal (gespielte) Erschütterung angesagt.
  6. Danach erläutert man, dass die Sitzordnung leider nicht so ist, wie man sich das vorstellt und zeigt kleines Schaubild (siehe unten).
  7. Sinnvoll ist es nun darüber zu diskutieren wie wichtig es ist den Anforderungsgeber (also in der Regel den Kunden) in den Gesamtprozess einzubeziehen und Anforderungen genau zu hinterfragen.
  8. Anschließend stellt man gemeinsam mit den Teilnehmer die Tische und Stühle so um, wie man es für den Workshop benötigt.

Eine mögliche Sitzordnung

Uri-Geller-Variante

Ein Kollege hat mich noch auf eine Variante dieses Spiels gebracht.
Hierzu erzählt man vor dem eigentlichen Spiel eine kurze Geschichte, in der man erläutert, dass man kürzlich Uri Geller getroffen hat und dieser einem einen mentalen Trick beigebracht hat, den man nun zur Anwendung bringen möchte.
Anschließend erläutert man den Teilnehmern, dass man durch diesen mentalen Trick erkennen kann warum sie die folgende Aufgabe nicht erfolgreich abschließen werden.
Etwas „showmässig“ nimmt man nun einen Zettel und schreibt „IT-Leute denken sie wüssten was der Kunde will!“. Anschließend faltet man den Zettel, legt ihn gut sichtbar zur Seite und erläutert, dass man hier notiert hat hat warum die Teilnehmer die gestellte Aufgabe nicht erfolgreich abschließen werden. Anschließend macht man so weiter, wie im Abschnitt „Ablauf“ beschrieben.
Der Zettel sollte im Rahmen von Punkt 6 des Ablaufs entfaltet werden.
Aber Achtung! Diese kleine Geschichte erhöht die Aufmerksamkeit der Teilnehmer und sie werden nach dem Trick in diesem Spiel suchen… und vielleicht auch drauf kommen.

Lernziele

Dieses Spiel dient der Verdeutlichung wie wichtig es ist

  • den Kunden in den Prozess der Anforderungsanalyse einzubeziehen.
  • nicht jede Anforderung zu akzeptieren ohne sie konstruktiv zu hinterfragen.
  • den Kunden nach seiner Meinung und seinen Beweggründen zu fragen.

Des Weiteren ist dieses „Willkommensspiel“ eine gute Methode, um die Teilnehmer von Anfang an in Bewegung zu versetzen. Leider starten die meisten Workshops/ Schulungen mit einem größerer Redeblock. Und genau diesem (Anti-)Pattern wird mit diesem (und anderen „Willkommensspielen“) entgegen gewirkt.

Erfahrungen

In dem weiter oben angesprochenen Workshop habe ich dieses „Willkommensspiel“ in der Uri-Geller-Variante gespielt.
Interessanter Weise haben die meisten Teilnehmer sofort angefangen die Stühle und Tische bei Seite zu stellen ohne weitere Fragen zu stellen. Mindestens ein Teilnehmer allerdings hat den „Braten gerochen“ und sofort nach meiner Anforderung an die neue Sitzordnung gefragt. Kompliment! Gut aufgepasst bzw. mich gut durchschaut.
Doch auch wenn das Spiel nicht zu 100% funktionierte, würde ich es in jedem Fall wieder einplanen, denn für viele der Teilnehmer gab es einen Denkanstoß. Darüber hinaus hat es die Teilnehmer aus ihrer „Comfort Zone“ befreit und somit klar gemacht, dass dieser Workshop ein wenig anders wird.
Zusammengefasst: Ein gutes Spiel für den Beginn eines Workshops.

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