Workshop Games – Teil 2: „Ich arbeite nur mit Super-Helden“

Dies ist der zweite Artikel aus der Serie zum Thema Workshop Games. Bisher veröffentlicht wurde:

  • Stühle rücken
    Ein “Willkommensspiel”, um gleich von Beginn an eine gewisse Spannung zu erzeugen

In Zukunft wird noch über folgende Spiele zu lesen sein:

  • Principles in the pocket
    Ein kurzes Spiel zur Verdeutlichung der Prinzipien, die hinter dem Agilen Manifest stecken
  • Coin Sorting
    Spiel zur Verdeutlichung der Rolle des Kunden in Angebotsprozessen
  • Speed Boat Game
    Ein Spiel aus der Reihe der “Innovation Games“; dient zur Identifikation und Priorisierung von Problemen

Vor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen für ein paar Kollegen einen Workshop zum Thema Scrum zu halten. Ein Großteil der Workshop-Teilnehmer arbeitet gemeinsam in einem (Scrum-) Projekt. Ergänzt wurde die Runde durch “Gäste”, die einfach Interesse an dem Thema hatten und gerade in der Region unterwegs waren.

Da es sich hier um einen internen Workshop handelte, hatte auch ich als Moderator ein wenig “Narrenfreiheit” und konnte das eine oder andere ausprobieren. Der theoretische Stoff, den es zu vermitteln gab, wurde von mir durch einige Workshop-Spiele ergänzt.

„Ich arbeite nur mit Super-Helden“
Ausgangssituation

Vorstellungsrunden – eine der wenigen Sachen auf der Welt, die spannend und öde zugleich sein können. Zumindest empfinde ich das so. Denn auf der einen Seite habe ich hier die Möglichkeit etwas über die Menschen zu erfahren, mit denen ich die nächsten Stunden verbringen soll, und auf der anderen Seite sind die Formate dieser Runden oftmals so langweilig, dass man bei der dritten Person schon wieder vergessen hat, was die erste eigentlich erzählt hat.
Als Moderator habe ich zusätzlich noch einen anderen Blick auf Vorstellungsrunden. Denn dies ist oftmals (es sei denn man fängt gleich an Stühle zu rücken) der Beginn eines Workshops oder Meetings und demnach gewinnen die Teilnehmer hierdurch einen ersten Eindruck, der ihre Stimmung für die Anfangsphase bestimmt.
Gute Formate für Vorstellungsrunden bieten jedem Teilnehmer genügend Information über die jeweils Anderen, helfen bei der Erinnerung der Informationen und bieten ein entsprechendes Entertainment, damit die Teilnehmer ein gutes Gefühl bekommen.

In dem Workshop, der hier als Fallstudie dient, hatte ich zudem noch die Situation, dass sich alle Teilnehmer im Vorfeld bereits kannten und eine Vorstellungsrunde im klassischen Sinne eigentlich obsolet gewesen wäre. Dennoch: Ich wollte nicht darauf verzichten und wählte ein etwas „anderes“ Format. Woher ich dieses Format habe, weiß ich leider nicht mehr so genau. Sagen wir einfach es resultierte aus der Erkenntnis

Ich arbeite nur mit Super-Helden

Ablauf

Folgenden Ablauf habe ich angewendet:

  1. Als erstes erläutert man mit einer guten (und ein wenig theatralischen) Geschichte, dass man sich in der Vergangenheit viele Gedanken über Zusammenarbeit mit Kollegen gemacht hat und zu der Auffassung gelangt sei, dass man nur mit Super-Helden zusammen arbeiten möchte. Und da man diese Auffassung ja nicht erst seit gestern vertritt, hat man auch in diesem Workshop nur Super-Helden zugelassen. Da dies nun geklärt sei – so erläutert man weiter – und man sich „unter seinesgleichen“ befindet, könne man sich  gegenseitig mit der richtigen Identität vorstellen.
  2. Nun fordert man die Teilnehmer auf kurz in sich zu gehen und ihre wahre Persönlichkeit, die sie über viele Jahre im Verborgenen gehalten haben, zu ergründen und ihren richtigen „Namen“ auf ein Namensschild zu schreiben. Darüber hinaus bittet man die Teilnehmer zusätzlich zu ihrem Namen auch die Erwartungen auf Karten oder Post-Its zu schreiben
  3. Danach bittet man die Teilnehmer der Reihe nach ihre wahre Persönlichkeit vorzustellen und zu erläutern warum sie sind wer sie sind. Oder anders: Wie haben die Superkräfte Einfluss auf ihr Verhalten als Nicht-Super-Held genommen?
    Zusätzlich fordert man die Teilnehmer auf ihre Erwartungen vorzustellen und an eine Pinnwand/ Flipchart/ … zu kleben.
  4. Wichtig: Nicht vergessen die eigene Super-Helden-Persönlichkeit vorzustellen. Gerne auch gleich zu Beginn der Runde, damit die Teilnehmer ein Gefühl für das Format bekommen.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass dieses Spiel nicht ausschließlich in einer Runde gespielt werden kann, in der sich die Teilnehmer bereits kennen. Kennen sich die Teilnehmer bereits, so fällt es ihnen oft leichter sich für ein solches Spiel zu öffnen und auch über ihre nicht ganz so positiven Eigenschaften zu sprechen.

Redest Du mit mir?

Als kleine Erweiterung zu dieser Vorstellungsrunde kann man mit den Teilnehmern vereinbaren, dass man sich für die Dauer des Workshops nur noch mit seinen Super-Helden Namen anspricht. Dies sorgt insbesondere in den Pausen, wenn auch Nicht-Teilnehmer zugegen sein können, für die eine oder andere Erheiterung.
Aber nicht nur des Spaßes wegen ist dies eine gute Zusatzvariante. Denn hierdurch wird für die Teilnehmer etwas Gemeinsames geschaffen (umgangssprachlich „Insider“), das sie verbindet und von Nicht-Teilnehmern abgrenzt.

(Lern-)Ziele

Dieses Kennenlernspiel

  • dient zur allgemeinen Auflockerung der Runde, da es sich deutlich von dem „Normalfall“ unterscheidet.
  • kann dazu verwendet werden den Teilnehmern klar zu machen, dass dieser Workshop anders wird, als sie es vielleicht erwartet haben.
  • bringt die Teilnehmer dazu über die Eigenschaften (positive und negative) zu sprechen, die sie auszeichnen.
  • bringt die Teilnehmer dazu ihre Erwartungen vorzustellen.
  • schafft eine Identifikation. Sozusagen eine eigene Liga der außergewöhnlichen Super-Helden.
  • macht es möglich, dass man sich mit Batman, Superman, Wolverine und Spiderman in einem Raum unterhalten kann.
Erfahrungen

Ich war von diesem Spiel sehr begeistert. Nachdem sich die ersten ungläubigen Blicke gelegt haben, haben sich die meisten der Teilnehmer sofort auf dieses Spiel eingelassen. Es gab allerdings auch Teilnehmer, die eher zurückhaltend reagiert, der Gruppe aber letztendlich ihr wahres Ich vorgestellt haben.
Leider habe auch ich als Moderator es nicht durchgehalten alle Teilnehmer die gesamte Zeit mit ihren Super-Helden Namen anzureden. Hier gibt es eindeutig noch Verbesserungspotenzial.
Zusammengefasst: Mal eine andere Art der Vorstellungsrunde, die Spaß macht und die Teilnehmer aus ihrem gewohnten Denken befreien kann.

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